Revue Sources

Le frère Johannes Brantschen, professeur émérite à la Faculté de théologie de l’Université de Fribourg, évoque celui qui fut à la fois son Père-Maître et son mentor. Il le fait à travers de nombreuses touches personnelles.

Une fois n’est pas coutume! Sources fait paraître un article en allemand. Pour faire droit dans ce numéro spécial à la diversité culturelle des Dominicains suisses. Il reste que la figure du Père Henri Stirnimann aura profondément marqué ses frères dominicains et bien au-delà de leur petit cercle.

Pater Heinrich war ein weltoffener Mensch. Er war mit allen Sinnen und mit neugierigem Geist der Welt und ihrer Schönheit zugewandt (insbesondere der zeitgenössischen Architektur und Literatur),– gleichzeitig war er ein Liebhaber und Kenner der christlichen Mystik und wohl selber auch ein (verkannter) Mystiker. Er war ein Pionier der Ökumene, und gleichzeitig jeder Schwärmerei und allem Fanatismus von Grund auf abgeneigt. Er war ein Mann, der die Begegnung, das Gespräch und die Freundschaft suchte. Pater Heinrich war zeitlebens auf vielen Wegen unterwegs: er war Studentenmagister in St. Hyazinth, Prior in Freiburg und Luzern, Spiritual bei den Dominikanerinnen in Ilanz (1988-2000); er begleitete als theologischer Berater den Bischof François Charrière zur ersten Sitzung des 2. Vatikanischen Konzils; er war von 1966-1982 Herausgeber der «Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie», und vor allem war er Professor für Fundamentaltheologie an der theologischen Fakultät der Universität Freiburg (1952-1982); last but not least war er Rector magnificus der Universität (1968-1971) und noch vieles mehr. Da es unmöglich ist, hier und jetzt Pater Heinrich auf all seinen Wegen und Pfaden nachzuspüren, begnüge ich mich – ohne logische Ordnung – mit einigen (anekdotischen) Erinnerungen, die bei mir auftauchen, wenn ich an Pater Heinrich denke.

Der Studentenmagister oder ora et sport

Pater Heinrich war für uns im Studentat nicht nur der traditionell klassische Magister studentium, der uns in unzähligen gut vorbereiteten Unterweisungen in die Tradition und die Geheimnisse des OP-Ordens einführte, sondern er war – und das war neu – auch unser Sportmagister, weil er wusste: «Leben ist Bewegung!» Pater Heinrich hat uns erlaubt, auf der Freiburger Kunsteisbahn (in der Altstadt) Schlittschuh zu laufen (sein Vorgänger hat uns dieses Vergnügen verboten mit der Bemerkung: «Auf der Eisbahn hat es zu viele leichtgeschürzte Damen und Mädchen»). Auch hat unser Magister für uns Skier organisiert und einmal pro Woche die neue Turnhalle neben St. Hyazinth gemietet, wo wir uns mit Basketball austoben konnten. Im Garten von St. Hyazinth mussten wir allerdings – mit Rücksicht auf die alten Patres – im Habit Volleyball spielen. Der herzensgute, wenn auch etwas bärbeissige Bruder Mancius (vulgo

«Schneider des Papstes»), sœben aus Rom zurückgekehrt, hatte keine Freude an unserem Spiel im Habit, weil es danach immer viel zu flicken gab und meinte. «Früher hiess es ‘ora et labora’, seit Pater Heinrich hier ist, heisst es ‘ora et sport’».

Unvergesslich bleiben mir auch die Sommerferien in Zeneggen und später in Staldenried (VS). In Zeneggen kam ich, und wohl auch einige andere Mitbrüder, zu ihrem ersten Orientierungslauf. Der Oberpfadfinder (so unser Spitzname für Pater Heinrich) hatte aus dem Zeughaus der Schweizer Armee Kompasse besorgt und uns um 6 Uhr in der Frühe auf den Lauf geschickt, den er in der Nacht ausgesteckt hatte. Höhepunkt der Ferien war jeweils eine hochalpine Bergtour. Ich erinnere mich besonders an die Tour auf den Dom (4545 Meter über Meer – höchster Gipfel auf Schweizergebiet). Als Bergführer fungierte mein Bruder Stefan.

In späteren Jahren war Pater Heinrich regelmässig mit meiner Familie und mir in Randa in den Ferien. Pater Heinrich – in seinem kragenlosen Sensler Bauernhemd – hat mich, meine Mutter und die unvergessliche Tante und Gotta Klara samt meinen Nichten und Neffen in seinem (frisierten?) Deux-Chevaux in die entlegensten Schluchten und Dörfer des Wallis chauffiert. Am Abend, glücklich und müde, warteten wir auf das Kommando von Tante Klara: «Die Entrecôtes sind fertig. Alle zu Tisch! Heinrich und die Kinder auf die Bank

hinter dem Tisch!» Dieser Ton hat Pater Heinrich gefallen, es war so ganz anders als bei ihm zu Hause in der grossbürgerlichen Familie à la Thomas Mann. Selten erlebte ich Pater Heinrich so glücklich und entspannt, wie während dieser Ferientage im Wallis. Er suchte die Freundschaft der kleinen Leute, und diese hat er im Wallis gefunden.

Die Kapelle von St. Hyazinth

Herkunft aber bleibt Zukunft (M. Heidegger). Pater Heinrich hat seine akademische Laufbahn an der ETH Zürich als Architekturstudent begonnen, bevor er Dominikaner geworden ist. Diese Liebe zur Architektur konnte er als Prior beim Bau der neuen St.-Hyazinth-Kapelle ausleben, indem er dem Architekten Schenker (Bruder von Pater Adrian), dem Glasmaler Kim OP und seinem Freund, dem Bildhauer Stocker, als kompetenten Souffleur ständig zur Seite gestanden ist. Pater Heinrich hat sogar das Relief am Kapelleneingang – ein in Calacatta-Marmor gemeisseltes stilisiertes Kreuz selber entworfen. So hat denn Pater Heinrich die Kapelle in St. Hyazinth immer auch als sein Kind betrachtet.

Die Universität: Theologie, Ökumene, Rektorat

1952 wurde Pater Heinrich, erst jährig, zum Professor für Fundamentaltheologie und Apologetik an der theologischen Fakultät der Universität ernannt. Dreissig Jahre lang führte er als guter Latinist (die Vorlesungen waren damals in Theologie und Philosophie in lateinischer Sprache) die Studenten «modo geometrico» in die Geheimnisse der Fundamentaltheologie ein. Die Vorlesungen von Pater Heinrich waren an Klarheit nicht zu übertreffen. Als dann das Zweite Vaticanum (19621965) die ökumenische Frage aufgriff, liess sich Pater Heinrich nicht zweimal bitten. Er gründete 1964 das erste ökumenische Institut der Schweiz. Dabei ging es ihm nicht nur darum, in theologischen Kreisen die konfessionelle Differenz auszuloten und abzubauen, sondern er war bemüht, auch und gerade die Kirchenleitungen in diesen Dialog mit hineinzunehmen. So hat Pater Heinrich 12 Jahre lang als Kopräsident der Evangelisch-Römisch-Katholischen Gesprächskommission der Schweiz klug und geduldig für kleine Schritte auf dem weiten Weg zur Einheit gekämpft. Er war sich nicht zu gut, durch Vorträge und Diskussionen in unzähligen Gemeinden den einfachen Leuten den ökumenischen Gedanken nahe zu bringen. Für diese ökumenische Arbeit hat ihm die Evangelische Fakultät der Universität Bern (1978) den Doctor honoris causa verliehen.

Ein Höhepunkt der Universitätsjahre war zweifelsohne das magistrale Rektorat von Pater Heinrich in den schwierigen Jahren 1968-1971. Die Studentenrevolte der 68er Jahre hat via Kalifornien, Paris und Berlin schliesslich auch das verschlafene Freiburg erreicht. In Freiburg waren vor allem die Anarchisten am Werk. Als diese Gruppe einen Festakt in der feierlichen Aula magna gesprengt, die schwarze Fahne entrollt und ein Pamphlet vorgelesen hat, ist Pater Heinrich mutig auf die Bühne gestürmt, hat den Anarchisten nach wildem Kampf das Mikrophon entrissen und zur Vernunft und zum Dialog gerufen. Der Staatsrat – skandalisiert wegen der Entweihung der heiligen Aula magna – verlangte vom Rektor, die Anführer von der Universität zu verjagen. Pater Heinrich aber hat sich zum Anwalt der Studenten gemacht und in unzähligen Nachtstunden die Anarchisten zum Dialog zu bewegen versucht. Pater Heinrich mochte die Studenten, und die Studenten, mochten ihn. Schliesslich hat auch der Erziehungsdirektor die Arbeit des Rektors anerkannt und ihm als Geschenk für sein magistrales Rektorat eine Sekretärin für das «Ökumenische Institut» und die «Freiburger Zeitschrift» gegeben.

Von der Scholastik zur Spiritualität und Mystik

Der Abschied von der Universität nach 30 Jahren war für Pater Heinrich auch eine Befreiung, denn er war im starren Korsett der neuscholastischen Universitätstheologie nie ganz zu Hause. Als Prior von Luzern, und von 1988-2000 als Spiritual der Ilanzer Dominikanerinnen, fand er Zeit und Musse, sich der Mystik und Spiritualität zuzuwenden. Sein Schreibstil wandelte sich. Statt streng wissenschaftlicher Studien, wandte er sich dem nicht weniger anspruchsvollen Essay zu, das ihm erlaubte, meditierend und spielerisch wichtige Themen zu behandeln. So entstanden die zwei originellen und weitverbreiteten Werke über Niklaus von Flüe («Der Gottesgelehrte Niklaus von Flüe», Freiburg 1981) und über Maria («Marjam, Marienrede an einer Wende», Freiburg 1989). Später kam die Reihe

«Sigma» hinzu, mit mehr als 20 kleinen und kleinsten Bändchen, die nicht öffentlich zu kaufen waren, die Pater Heinrich aber seinen vielen Freunden und Freundinnen mit einer sehr persönlichen Widmung schenkte. In diesen kleinen Schriften gelang es Pater Heinrich, in immer konzentrierterer, aphoristisch knappen Verdichtung, wesentliche Grundfragen christlichen Glaubens zur Sprache zu bringen und in einmaligen Miniaturen seinen Freunden ein bleibendes Denkmal zu errichten. Die Freunde F. Gehr und L. Stocker, aber auch der von Pater Heinrich hochverehrte Meister Eckhart, und natürlich sein geliebter Appenzeller Sennenhund Anatol, werden so in je einem Bändchen geehrt. Das erste Bändchen, «Holzbock», bietet eine noch heute aktuelle Kirchenkritik und hätte wohl im letzten Jahrhundert auf dem Index der verbotenen Bücher seinen Platz gefunden.

Die letzten drei Jahre waren für Pater Heinrich schwierig. Eine geheimnisvolle Krankheit liess den bis anhin mutigen, kontaktfreudigen und angstfreien Mann ängstlich, schweigsam und apathisch werden. Die treue Schwester Berta im Kloster Ilanz, die Pater Heinrich bis zum Schluss begleitet und gepflegt hat und gelegentlich aus Liebe streng mit ihm sein musste, sagte mir am Tag des Begräbnisses: «Pater Heinrich hat mir während seiner Krankheit mehr gegeben, als ich ihm geben konnte!» Welch ein Kompliment für Pater Heinrich, aber auch für Schwester Berta. Pater Heinrich ruht auf dem Klosterfriedhof der Ilanzer Dominikanerinnen.

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